Die Krypta

Ein Kleinod der Kirche in Rethmar erstrahlt nach vielen Jahren buchstäblich in neuem Licht: In der Krypta Eltziana sind wieder bunte Fenster eingesetzt worden – sie wurden originalgetreu rekonstruiert. Künftig soll die ehemalige Leichenhalle als multifunktionaler Raum für Veranstaltungen zur Verfügung stehen.

Die Restaurierung der alten Fenster – so wie sie die Familie von Eltz einst geschaffen hatte – ist der zunächst letzte Teil der Kirchensanierung. Bereits im vergangenen Jahr war der Durchgang von der Kirche zur Krypta, der seit 1861 zugemauert war, geöffnet worden. Eine Unternehmerfamilie hatte das Gelass einst als Privatmausoleum genutzt. Ähnlich war es bei den Fenstern: Eines war ebenfalls zugemauert, bei den zwei anderen waren die blau-roten Scheiben durch Klarglas ersetzt worden. Zwei der Fenster sind nun rekonstruiert worden, das ehedem zugemauerte leuchtet jetzt gelb und symbolisiert die Auferstehungssonne zu Ostern, wie Pastor Hans-Jürgen Pabst sagt: „Wenn die Morgensonne hineinscheint, sieht das traumhaft aus.“ Blau steht für Treue, aber auch für die Farbe von Maria, Rot für die Liebe.

Möglich wurde die Restaurierung durch eine Spende eines Nachbarn: Schlossherr Baron Rüdiger Freiherr von Wackerbarth hatte der Kirchengemeinde mehr als 10.000 Euro zur Verfügung gestellt. „Das gehört sich so als Schlossherr, vorher war die Krypta ja nur eine bessere Besenkammer.“ Die Krypta wird heute mit einer Kindergartenandacht offiziell wiedereröffnet. Künftig könne sie als multifunktionale Kapelle genutzt werden, sagt Pastor Pabst. Denn Krypta sei eigentlich der falsche Begriff. Diese liege normalerweise unter der Kirche und nicht ebenerdig. Sie stehe weiter für Bestattungen zur Verfügung, aber auch Jugendgottesdienste sowie der Lebendige Adventskalender könnten dort stattfinden. „Aber immer nur unter Aufsicht, denn der Raum ist eine Kostbarkeit.“

Und er enthält auch ein denkmalgeschütztes Kulturgut: den Prunksarg des früheren Schlossherrn Adam von Eltz (1665–1727) – es ist der letzte Sarg der Familie in der Krypta. Adam von Eltz war Großvogt – heute vergleichbar einem Regierungspräsidenten –, Geheimrat und Erzieher von Georg I., dem späteren König von England.

Auch einen Mörderstein gibt es in der Krypta. Dieser soll nach der Überlieferung im Dorf an den Mord an Graf Königsmark erinnern, der ein Verhältnis mit der verheirateten Kurprinzessin Sophie Dorothea von Hannover hatte. An seinem spurlosen Verschwinden soll Adam von Eltz beteiligt gewesen sein. Doch darüber gehen die Meinungen des Pastors und des heutigen Schlossherrn auseinander.

aus:
Hannoversche Allgemeine Zeitung
Anzeiger für Lehrte und Sehnde
vom 17. Oktober 2014
Red. Oliver Kühn, Rethmar